LESER – 2 Jahrhunderte im Einsatz für die Sicherheit

Der deutsche Sicherheitsventilhersteller, welcher seit 1998 erfolgreich in Brasilien aktiv ist, feiert 200-jähriges Firmenjubiläum

 

Mit mehr als 950 Mitarbeitern und 130.000 produzierten Sicherheitsventilen pro Jahr ist LESER (www.leser.com) der größte Hersteller von Sicherheitsventilen in Europa und eines der führenden Unternehmen seiner Branche weltweit. LESER bietet federbelastete und pilotgesteuerte Sicherheitsventile für alle industriellen Anwendungen in den Bereichen Öl und Gas, Petrochemie, Energie, Chemie, Technische Gase, LNG/LPG, Schiffbau, Heizungs- und Klimatechnik sowie der Pharma-, Lebensmittel- und Getränkeindustrie.

Das seit fünf Generationen familiengeführte Unternehmen ist seit den 90er Jahren auch im brasilianischen Markt erfolgreich tätig. Die brasilianische Tochtergesellschaft LESER BRASIL, welche 1998 ihr Werk in Rio de Janeiro eröffnete, ist die erste aller Auslandstochtergesellschaften des Traditionsbetriebs. LESER BRASIL konzentriert sich heute hauptsächlich auf das Erdöl- und Erdgassegment. Der brasilianische halbstaatliche Ölriese PETROBRAS ist Hauptabnehmer von LESERs Sicherheitsventilen, die in Brasilien für ihre deutsche Qualität und Zuverlässigkeit gleichermaßen bekannt und geschätzt sind. In den letzten vier Jahren lieferte LESER BRASIL rund 10.000 Sicherheitsventile an PETROBRAS, welche unter anderem in Ölplattformen und Ölraffinerien Einsatz finden.

Im Interview mit Herrn Joachim Fritz – Geschäftsführer der brasilianischen Tochtergesellschaft LESER BRASIL in Rio de Janeiro

 

„Als Ergebnis unserer zwanzigjährigen Arbeit haben wir es geschafft, die Industrieanlagen im Land sicherer zu machen."


200 Jahre Erfahrung beweisen Exzellenz und sind Beweis einer Erfolgsgeschichte. Wie sind die Aussichten für die nächsten Jahre? Was sind die Top-Themen ​​und Neuheiten für diese neue Phase?

Die Anlagensicherheit für die Industrie und für unsere Kunden bleibt weiterhin ein sehr wichtiges Thema. LESER ist darauf vorbereitet, diese Anforderungen auch in Zukunft zu erfüllen. Lassen Sie uns über die letzten 200 Jahre sprechen. Im Jahr 1818, zur Zeit der industriellen Revolution, wurde Messing benötigt. LESER wurde dieser Anforderung gerecht und stellte Messing her. Seit 1970 hat sich LESER auf Sicherheitsventile spezialisiert. Im Gegensatz zu unseren Mitbewerbern konzentrieren wir uns auf nur ein Produkt – Sicherheitsventile. Im Jahr 2000 war LESER bereits in ganz Europa bekannt. Große Konzerne aus der chemischen Industrie, wie BAYER und BASF, zählten zu LESERs Kunden. Seit 2000 expandiert LESER. Neue Produktlinien wurden eingeführt und ausländische Tochtergesellschaften eröffnet. Aus dieser Gruppe der Tochtergesellschaften war die LESER BRASIL die Erste. Seit 2000 ist LESER schnell gewachsen. In den letzten 12 Jahren vervierfachten wir den Umsatz. Heute ist LESER der drittgrößte Anbieter im Segment der Sicherheitsventile. Ohne Zweifel ist LESER das am schnellsten wachsende Unternehmen in diesem Segment und unser Ausblick für die nächsten Jahre ist es, die Nummer eins auf dem Markt zu werden. Das ist ein herausforderndes Ziel, aber wir sind auf einem guten Weg.

„Ohne Zweifel ist LESER das am schnellsten wachsende Unternehmen in diesem Segment und unser Ziel für die nächsten Jahre ist es, die Nummer eins auf dem Markt zu werden. Das ist eine Herausforderung, aber wir sind auf einem guten Weg.“

Joachim Fritz – Geschäftsführer der LESER BRASIL

Industrie 4.0 ist ein sehr aktuelles Thema – auch für LESER? Wie bereitet sich das Unternehmen für diese vierte industrielle Revolution vor?

Industrie 4.0 ist ein sehr wichtiges Thema für LESER. Obwohl ein Sicherheitsventil ein sehr mechanisches Produkt ist und einen sehr speziellen Service benötigt, bringt die Digitalisierung viele Vorteile. Eine unserer digitalen Innovationen ermöglicht die Verfolgung aller Komponenten und Prozesse in der Herstellung unseres Sicherheitsventils als Webservice, angefangen von der Eisenstange bis hin zur Installation der Komponenten in einer industriellen Anlage. Somit garantieren wir ein vollständiges Tracking. Es gibt tausende mögliche Varianten, die für ein Sicherheitsventil kombiniert werden können, allerdings haben unsere Kunden mit dem Tracking eine genaue Kontrolle und Rückverfolgbarkeit über die verwendeten Materialien sowie den Einsatz der Komponenten in der jeweiligen Industrieanlage. Dies erleichtert die Bestellung von Ersatzteilen bzw. neuer Komponenten. Gemeinsam mit unseren Kunden haben wir LESERs Prozesse an das digitale Zeitalter angepasst und kürzlich unser digitales „Typenschild“, das auf dem Markt einzigartig ist, vorgestellt. Ein Typenschild ist auf allen unseren Sicherheitsventilen vorhanden und weist u.a. die Hauptmerkmale des Ventils aus.

Kurz vor unserem 200-jährigen Jubiläum investierte unsere Muttergesellschaft in Werksmodernisierungen, nicht nur in Brasilien, sondern auch in unserem Hauptprodutionsstandort in der Nähe von Hamburg, welches nun das Größte und Modernste weltweit ist. Im Vergleich zu unseren Konkurrenten, hat LESER eine größere und modernere zentrale Fertigung. In Eigenproduktion werden alle Fertigungsphasen durchlaufen - es gibt kein Outsourcing. Unser Werk ist technisch so ausgestattet, dass wir die Abnahmetests unserer Ventile mit jedweden Kundenspezifikationen durchführen können. Zum Beispiel erfüllen wir auch die Standards von PETROBRAS, die zu den anspruchsvollsten Spezifikationen auf dem Markt gehören.

Mit welchen Gründen und Erwartungen trat LESER 1998 in den brasilianischen Markt ein? Wurden LESERs Erwartungen erfüllt?

1990 erhielt LESER die erste ASME-Zertifizierung (American Society of Mechanical Engineers) und konnte somit weltweit im Öl und Gas Markt agieren. Tatsächlich werden unsere Produkte bereits seit 40 Jahren auf dem brasilianischen Markt angeboten, damals über einen Lizenznehmer, fast doppelt so lang wie wir hier in Rio vor Ort produzieren. In den ersten zwanzig Jahren, von 1978 bis 1998, erkannte der deutsche Mutterkonzern, dass unsere Produkte auf dem brasilianischen Markt sehr gut angenommen wurden. Aufgrund dieser positiven Erfahrung entschied sich Martin Leser vor 20 Jahren eine Niederlassung in Brasilien zu eröffnen. LESERs Konzept war es, deutsche Qualität und deutsches Design auf dem brasilianischen Markt zu etablieren und lokale Wertschöpfung zu generieren. Heute hat LESER BRASIL vierzig Angestellte im Werk Rio de Janeiro sowie zwanzig Repräsentanten, die in anderen brasilianischen Bundesstaaten LESER-Ventile vertreiben und vertreten.

Weiterhin war es unsere Absicht, unser Fachwissen weiter zu geben, was wir sowohl durch technische Schulungen und Seminare für Kunden und Mitarbeiter, als auch durch die normative Arbeit mit den brasilianischen Behörden erreichen konnten. Als Ergebnis unserer zwanzigjährigen Arbeit haben wir es geschafft, die Industrieanlagen im Land sicherer zu machen. Unsere Erwartungen wurden somit erfüllt. Heute ist LESER für seine qualitativ hochwertigen Produkte und exzellente technische Beratung bekannt, welche zugleich LESERs Alleinstellungsmerkmal zu anderen Anbietern darstellt. Mehr als 50% aller Sicherheitsventile, die in der Ölförderung im brasilianischen Pré-Sal Gebiet, eines der vielversprechendsten Ölvorkommen weltweit, eingesetzt werden, stammen von LESER. Auch in anderen Branchen in Brasilien sind unsere Produkte Marktführer. Im Vergleich zu unseren amerikanischen Konkurrenten, die in Brasilien Werke schließen mussten, investierte unsere Muttergesellschaft, trotz der wirtschaftlich und politisch kritischen Lage, stetig in den brasilianischen Markt.

„Mehr als 50% aller Sicherheitsventile, die in der Ölförderung im brasilianischen Pré-Sal Gebiet, eines der vielversprechendsten Ölvorkommen weltweit, eingesetzt werden, stammen von LESER.“

Stefanie Börner Falcão - Abteilungsleiterin für Kommunikation AHK Rio und Joachim Fritz – Geschäftsführer der LESER BRASIL bei der Werksbesichtigung in Rio de Janeiro.

Wie hat sich die Partnerschaft mit der AHK Rio auf die Erfolgsgeschichte von LESER ausgewirkt?

Seit 2007 ist LESER Mitglied bei der AHK Rio und seit vier Jahren bin ich im Vorstand aktiv. Die Partnerschaft mit der AHK Rio hat uns Zugang zu anderen Unternehmen und Entscheidungsträgern der brasilianischen Wirtschaft und Politik ermöglicht. Dank der AHK Rio arbeiten wir eng mit brasilianischen Behörden und Institutionen zusammen. Zudem bietet die Kammer, als Vertreter der deutschen Wirtschaft, exklusiven Zugang zu Kontakten, die wir  als Kunden gewinnen konnten.

Welche Potenziale bietet der brasilianische Markt Ihrer Meinung nach?

Wir erwarten eine Rückkehr der Investitionen  in das Ölsegment, da die jüngsten Versteigerungen der brasilianischen Bundesagentur für Öl, Gas und Biokraftstoffe (ANP) zur Vergabe von Explorationslizenzen in den brasilianischen Ölvorkommen erfolgreich vonstatten gegangen sind. Brasilianische sowie ausländische Unternehmen, unter anderem deutsche Ölfirmen wie Wintershall, haben Lizenzrechte erworben und planen für die kommende Jahre enorme Investitionen. Darüber hinaus steht LESER in Verhandlungen mit PETROBRAS sowie anderen Investoren bezüglich der Fertigstellung von Raffinerien, welche gemeinsam mit ausländischen Partnern realisiert werden soll. Wir sind der Meinung, dass der Anstieg von Investitionen auch in den Segmenten Zucker und Alkohol, sowohl bezüglich des Ausbaus bestehender Anlagen als auch beim Bau neuer Anlagen, anhalten wird. Wir glauben, dass sich die brasilianische Wirtschaft in den kommenden Jahren erholen wird.

Was empfehlen Sie deutschen Unternehmen, die in den brasilianischen Markt investieren wollen?

Unternehmen sollten die bürokratischen Hindernisse in Brasilien in keiner Weise unterschätzen. Die brasilianischen Steuerregulierungen sind für einen deutschen Unternehmer sehr schwer nachzuvollziehen. Es ist ein Prozess, der Geduld und langfristige Planung benötigt. Um auf dem brasilianischen Markt Fuß zu fassen, müssen hohe Investitionen getätigt werden.

Wir haben auch gelernt, dass lokale Kontaktnetzwerke genutzt werden müssen, um Produkte erfolgreich in Brasilien vertreiben zu können. Aus unserer Sicht sollte man lokal etablierte Vertriebsmitarbeiter oder Handelsvertreter einsetzen, um Erfolg zu garantieren. Andererseits dienen die hohen anfänglichen Investitionen sowie weitere Markteintrittsbarrieren, wenn sie einmal überwunden sind, dem Schutz vor Billigkonkurrenz, zum Beispiel aus China, da diese oftmals den technischen und bürokratischen Anforderungen in Brasilien nicht gerecht wird. Somit können Herausforderungen in Chancen umgewandelt werden.