Windenergie

 

Die brasilianischen Windverhältnisse werden durch Luftmassenzirkulation der Hadley-Zelle, des Südostpassats und des subtropischen Hochdruckgebiets determiniert. Schätzungen zufolge entspricht dies einem Potenzial von 143GW installierter Leistung (CRESESB/CEPEL 2001). Vor allem die Bundesstaaten Piauí, Ceará, Rio Grande do Norte, Pernambuco und Rio Grande do Sul sowie das bergige Hinterland von Bahía warten mit Windgeschwindigkeiten von durchschnittlich mehr als 8,5m/s auf. Begünstigend ist außerdem die hohe Stetigkeit der Windrichtung.

Abb.: Windpotential Brasilien

Quelle: Energia e Cidadania (2011)

 

Unter der Berücksichtigung, dass das brasilianische Elektrizitätsangebot vor allem auf Wasserkraft basiert und im Nordosten zwischen Juni/Juli bis November eine lange Trockenperiode herrscht, scheint Windenergie als ergänzende Alternative hier besonders attraktiv. Das saisonale Windpotenzial dieser Region ist zu dieser Jahreszeit besonders stark. Die Struktur des brasilianischen Stromsektors erleichtert also die Integration der saisonal schwankenden Windenergiebereitstellung. Des Weiteren unterstützen die enormen Energiespeicherkapazitäten brasilianischer Wasserkraftwerke die komplementäre Nutzung fluktuierender Energiequellen wie Wind- und Solarenergie.

Um nach dem nur durch strenge Rationierung abgewendeten Blackout 2001 die Abhängigkeit von der konventionellen Großwasserkraft zu reduzieren, wurde 2002 das Programm zur Förderung alternativer Energiequellen (PROINFA) als Einspeisetarif geschaffen. Vorgesehen war, in der ersten Phase zu festgelegten Preisen je 1.100 MW aus Biomasse, Kleinwasserkraft und Wind an langfristigen PPAs zu vergeben. Der in einer attraktiven Höhe angesetzte Preis zwischen 64,- und 72,- Euro/WWh (Wechselkurs R$/EUR 2,82/1) gab der Windenergie einen entscheidenden Anstoß zu einer bis heute andauernden positiven Entwicklung.

Tabelle: Preise für Alternative Energiequellen, PROINFA

 

Festgelegter Preis R$/MWh

(März 2004)

Festgelegter Preis EUR/MWh

(März 2004)

Unter Vertrag genommene Kapazität (MW, Stand 2010)

Wind

180-205

64-72

1.422

Kleinwasserkraft

117

42

1.191

Biomasse

94-101

33-36

685

Quelle: MME (2009)

 

Seit PROINFA ist der Preis für Windenergie um 66% gesunken. Bei den beiden im Jahr 2011 durchgeführten Auktionen mit den Auslieferungsfristen von drei bzw. fünf Jahren (A-3 & A-5) wurde Windstrom durchschnittlich für EUR 43,- bzw. 46,-/MWh (Wechselkurs R$/EUR 2,3/1) unter Vertrag genommen und verdrängte damit zahlreiche Biomasse und Kleinwasserkraft-Projekte. Nach der Installation des ersten Gigawatts im Jahr 2012, geht die Energieplanungsbehörde EPE bis 2014 von einem Wachstum auf 7,2 GW aus.

 

Branchenverband:

  • Brasilianischer Verband der Windenergieunternehmen (ABEEÓLICA).

 

Weiterführende Literaturhinweise (Deutsch):

 

Weiterführende Literaturhinweise (Portugiesisch):


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Marktstruktur

 

Aufgrund des intermittierenden Charakters ist Windenergie bisher vor allem auf dem regulierten Markt ACR e rfolgreich, wo langfristige Lieferverträge an Verteilungsnetzbetreiber stetige Einnahmen sicherstellen.
Der Markt wird von kleinen bis mittelgroßen Unternehmen dominiert. Dazu gehören:

Tabelle: Windenergie-Anlagenbetreiber nach installierter Kapazität (in MW)

Unternehmen

installierte Kapazität MW

Anteil

CPFL Renováveis

375

23%

Energimp-Impsa

243

15%

Elecnor-Enerfin

191

12%

Multiner

91

6%

EDP Renováveis

84

5%

Eletrobras-Eletrosul

81

5%

Enerbrasil-Iberdrola

79

5%

Wobben

66

4%

Pacific Hydro

58

4%

Petrobras

53

3%

Quelle: Energia eólica, anuário 2012, Editora Brasil Energia

Turbinen-Produzenten gibt es in Brasilien derzeit sieben:

  • Wobben/Enercon, 500MW/a, deutsch-brasilianisches Joint-Venture, seit 2005
  • Impsa, 1000MW/a, Argentinien
  • GE, 500MW/a, seit 2011, USA
  • Gamesa, 400 MW/a, Spanien, seit  2011
  • WEG/MTOI, 100MW/a, seit 2011, Brasilien
  • Alstom, 400MW/a, seit 2011, Frankreich
  • Vestas, 400MW/a, seit 2012, Dänemark


Es gibt derzeit drei Rotorblatt-Hersteller, mit einer Produktionskapazität von jährlich 11.300 Stück und acht Turmhersteller, die jährlich 1.870 Türme produzieren können.


Quellen:

  • Helmke (2009).
  • Energia eólica, anuário 2012, Editora Brasil Energia


Weiterführende Literaturhinweise und Links:


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Finanzierung

 

Über 90% der langfristigen Finanzierungen von Windenergieanlagen laufen über die staatliche Entwicklungsbank BNDES, dessen Kreditlinie für Windenergieanlagen durch die FZ-Kooperationsabkommen mit der KfW-Entwicklungsbank aufgestockt wird. Allein 2011 finanzierte der BNDES ca. EUR 1,3 Mrd. Weitere Mittel stammen aus den Töpfen der Privatbanken Santander, Caixa Geral de Depósitos e Caixa Econômica Federal (R$ 7,5 Mrd./2,200 MW). Dabei handelt es sich fast ausschließlich um heimische Mittel, da Transaktionskosten und Wechselkursrisiken für ausländische Investoren unattraktiv sind.
Die BNDES Kreditlinie „FINEM“ finanziert bis zu 80% des Gesamtinvestitionsvolumens von WEA, meist liegt der Satz jedoch bei ca. 70%. Tilgungszeit sind 16 Jahre. Die Kosten setzten sich aus langfristigen Zinssatz TJLP, 0,9% Spread sowie einem Risiko-Spread zwischen 0,46 und 3,57% pro Jahr zusammen. Nach BNDES-Angeben liegt die Bearbeitungszeit eines Antrages bei 120 tagen, sofern alle geforderten Dokumente vorliegen, gemeinhin geht man jedoch von der doppelten Zeit aus.
Die Mindestvoraussetzung entsprechen der üblichen project finance 20% Eigenanteil, 1,3 Schuldendienstdeckungsgrad sowie die Verwendung von mindestens 60% local content bei den Verwendeten Produktion und Dienstleistungen. Die Garantien müssen 130% des Finanzierungswertes decken.

Quelle(n) und weiterführende Literatur:

  • Energia eólica, anuário 2012, Editora Brasil Energia


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Fördermöglichkeiten

 

F&E

Im Gesetz 9.991 aus dem Jahr 2000 ist festgelegt, dass Verteilnetzbetreiber 0,2% und Übertragungsnetzbetreiber sowie Stromerzeugungsunternehmen je 0,4% ihres jährlichen Umsatzes in Forschungs- & Entwicklungs-Projekte im Rahmen des F&E-Programmes der Stromregulierungsbehörde ANEEL investieren müssen, wovon auch Windkraft-Projekte profitieren können.

Jährlich kommen im Rahmen des Programms bis zu R$ 300 Millionen zusammen (ca. EUR 130 Millionen, Wechselkurs R$/EUR 2,3/1). Die Gelder werden von den Konzessionären selbst verwaltet. Die Anwendung der Gelder wird von der Regulierungsbehörde kontrolliert. Werden Gelder nicht fristgerecht ausgegeben, werden sie mit dem brasilianischen Leitzins Taxa Selic verzinst. Die Konzessionäre können gemeinsam mit Partnern Projektvorschläge zur Prüfung und Evaluierung bei der ANEEL einreichen.


Steuerliche Anreize
Die Bundesstaaten mit dem größten Windkraftpotential gewähren besondere steuerliche Anreize für WEA-Projekte und Infrastruktur für Hersteller von Bauteilen. Speziell dafür geschaffene Entwicklungs-Agenturen und Abteilungen innerhalb von Ministerien sollen dafür Sorge tragen.
In fast allen Bundestaaten ist die gesamte Produktionskette der WEA zu 100% von der Umsatzsteuer ICMS befreit. Diese Maßnahme gilt momentan bis Ende 2015.


Netznutzung
Seit 2004 gelten für Stromerzeugungsanlagen regenerativer Energiequellen bis 30 MW außerdem um 50% reduzierte Nutzungstarife des Übertragungs- und Verteilungsnetz TUSD und TUST.


Quelle(n):

  • Energia eólica, anuário 2012, Editora Brasil Energia


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Umweltverträglichkeitsprüfung

 

Windenergie-Projekte benötigen eine Baulizenz durch die jeweilige Landes-Umweltbehörde. Dafür ist zunächst eine Vorläufige Lizenz (licença prévia, LP) zu beantragen. In dieser ersten Phase werden detaillierte Umweltverträglichkeits-Studien analysiert. Aufgrund der großen Anzahl an eingereichten Projekten stellt diese erste Phase derzeit den Flaschenhals im gesamten Lizenzierungsprozess dar und dauert zwischen 30 und 540 Tagen. Bei der Erteilung der Installationslizenz (licença de instalação, LI) und der Betriebslizenz (licença de operação, LO) wird lediglich überprüft, ob der Unternehmer die Anforderungen der Vorläufigen Lizenz erfüllt hat.


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Ansprechpartner

Philipp Hahn

(+55 21) 2224-2123 Durchwahl 117

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