Solarenergie

Brasilien hat eine jährliche Sonneneinstrahlung auf horizontaler Fläche von ca. 1.500 bis 2.400 kWh/m². Zum Vergleich - in Deutschland beträgt dieser Wert 900 bis 1.220 kWh/m², in Spanien 1.200-1.850. Die Orte mit der niedrigsten Sonneneinstrahlung im Süden Brasiliens liegen somit mehr als 25% über den sonnenreichsten Deutschlands.

Karte: Sonneneinstrahlung – Jahresdurchschnitt auf horizontaler Fläche

Quelle: Atlas brasileiro de energia solar / Enio Bueno Pereira; Fernando Ramos Martins; Samuel Luna de Abreu e Ricardo Rüther. – São José dos Campos: INPE, 2006.

Photovoltaik

Die Internationale Energieagentur IEA schätzte 2011 die installierte Kapazität an Photovoltaikanlagen in Brasilien auf ca. 20MW, wovon 99% in isolierten Systemen und an Antennen zum Einsatz kommen, wo ein Netzanschluss unwirtschaftlich ist.

Erste größere Pilotanlagen wurden, zum Teil mit der Unterstützung der Deutsch-Brasilianischen Zusammenarbeit für Nachhaltige Entwicklung (durchgeführt von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH) bereits erfolgreich umgesetzt, so zum Beispiel das erste Solarstadion Lateinamerikas in Salvador de Bahía, das Pituaçu mit einer Kapazität von 400kWp, im Rahmen dessen auch das Net-Metering, dass Ende 2012 flächendeckend für Anlagen bis 1 MWp eingeführt wird, zum ersten Mal angewendet wurde.

 

Foto: Erstes Solarstadion Lateinamerikas – „Pituaçu“ in Salvador da Bahia

Quelle: COELBA/Shirley Stolze

Weitere Photovoltaik-Pilotprojekte befinden sch in der Umsetzung. Dazu gehört das Megawatt Solar-Projekt, mit einem 1MWp-System auf dem Firmensitz des Energieversorgers Eletrosul in Florianópolis, Solar-Stadien, wie bspw. das Maracanã in Rio de Janeiro (390kWp) oder das Mineirão in Belo Horizonte (1,5MWp, in enger Kooperation von GIZ und KfW) und ein 400 kWp-Projekt auf der Ferieninsel Fernando do Noronha. DieseVorhaben sollen noch im Jahr 2013 fertiggestellt werden. Darüberhinaus repontenziert der Konzern EBX Solarkraftwerk Tauá im Bundesstaat Ceará 2013 von 1MWp auf 2MWp.

 

Foto: Das 1 MW-Solarkraftwerk „Tauá“ von MPX im Bundestaat Ceará

Quelle: MPX

Im Rahmen des strategischen Forschungs- & Entwicklungs-Programms der ANEEL (P&D Estratégico)  werden 2013 und 2014 weitere 18 Pilotprojekte mit einer Gesamtleistung von 25 MWp umgesetzt, davon fünf weitere Solarstadien in São Paulo, Salvador, Recife, Curitiba und Fortaleza.

Branchenverbände:

  • Brasilianischer Verband der Elektroindustrie, Sektorgruppe Photovoltaik-Systeme (ABINEE). - Die im Jahr 2011 gegründete Photovoltaik-Sektorgruppe des Elektro-Verbandes umfasst mittlerweile 130 Unternehmen aus verschiedenen Segmenten der Wertschöpfungskette.
  • Verband der Solarenergie ABENS.

 

Weiterführende Literatur (Englisch):

 

Interessante Links:

  • Instituto para o Desenvolvimento de Energias Alternativas na América Latina (IDEAL).
  • America do Sol - Das Institut IDEAL stellt im Format einer Landkarte ein umfassendes brasilienweites Register über Produzenten und Dienstleister aus der Photovoltaik-Branche zur Verfügung, welches ständig aktualisiert wird. Sowohl die Registrierung und Profilen als auch der Abruf der Daten ist kostenlos. Die Karte hilft Projektierern und interessierten Konsumenten auf einfache Weise Dienstleister in ihrer Region ausfindig zu machen.


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Potential

 

Die Wirtschaft Brasiliens wächst stetig. Damit steigt auch die Nachfrage an Energie und einer flächendeckenden, sicheren Energieversorgung. Seit der Stromversorgungs­krise im Jahr 2001 versucht die brasilianische Regierung, die Stromerzeugung zu diversifizieren, um die Ver­sorgungssicherheit und Umweltverträglichkeit zu gewährleisten. Dies stellt Brasilien vor große Heraus­forderungen und eröffnet deutschen Technologie­trägern neue Chancen auf dem brasilianischen Markt.

Aufgrund der verhältnismäßig hohen Sonneneinstrahlung und der Möglichkeit der Netzeinspeisung überschüssiger Energie aus Eigenerzeugung seit 2012 ergeben sich ab 2013 ergeben sich hervorragende Geschäftschancen für den Absatz von Photovoltaik-Equipment und dessen lokaler Produktion in Brasilien. Im Jahresverlauf 2012 erreichte Solarstrom in weiten Teilen des Landes auf Haushaltsebene bereits Netzparität. Die  Strompreissenkung im Februar 2013 durch die Regierung wird den Prozess der Annäherung an Netzpreise allerdings etwas verzögern.
Große Potentiale ergeben sich im Bereich der ländlichen Elektrifizierung, vorwiegend in isolierten Systemen im Norden des Landes, deren Stromerzeugung vor allem auf Diesel betriebenen Generatoren beruht. In entlegenen Regionen stellen Photovoltaik und vor allem Hybridsysteme mit Dieselgeneratoren als Backup finanziell eine interessante Alternative zu den bisherigen Lösungen dar.

Weiterführende Literaturhinweise und Links:


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Marktstruktur

 

Die lokale Nachfrage wird vorwiegend durch Importe von Modulen und Wechselrichtern gedeckt. Auf dem Markt ist derzeit nur TECNOMETAL als einziger Hersteller von PV-Modulen vertreten. TECNOMETAL investierte im Jahr 2011 rund 20 Millionen Reais in die landesweit erste Modul-Produktionslinie in Campinas/São Paulo. Eine lokale Produktion von geeigneten und effizienten Wechselrichtern ist nicht bekannt.

Die AHK Rio de Janeiro ließ jüngst in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH und dem Logistikdienstleister MRM Freights aus Rio de Janeiro eine Studie über die Importbedingungen und -kosten sowie Anreizprogramme für Photovoltaikanlagen in verschiedenen brasilianischen Bundesstaaten erstellen.

Der Preis für eine Megawattstunde Solarstrom, abhängig von Sektor und Größe der Anlage, wurde laut EPE 2012 mit 400 bis 600 Reais ermittelt.

 

Foto: PV-Dachanlage in Minas Gerais

Quelle: Solarize/Hans Rauschmeyer

 

Solarauktion in Pernambuco

Eine exklusive Versteigerung für Solarenergie wurde erstmals am 27. Dezember 2013 im Bundesstaat Pernambuco im Rahmen des Programmes „PE Sustentável“ durchgeführt. Bei der Auktion wurden 130 MW Solarenergie, aufgeteilt in 4 Projekte à 30MW und zwei Projekte à 5MW, zu einem durchschnittlichen Preis von R$ 228,63/MWh am freien Energiemarkt (ACL) vergeben. Als Ergebnis sollen insgesamt 597 Mio. R$ von Sowitec Operacional Brasil, Enel Green Power, Kroma Energia, Cone Concierge S.A.E und Sun Premiere Holding Participações investiert werden.

Die Regierung des Bundesstaates Pernambuco rief das Programm „PE Sustentável“ ins Leben, um die Attraktivität der derzeit noch vergleichsweise teuren Solarenergie zu steigern. Es bietet dem Käufer der Energiepakete Umsatzsteuervergünstigungen und setzt somit finanzielle Anreize.

Erwarb ein Unternehmen im Rahmen der Versteigerung in Pernambuco erzeugte Solarenergie, so wurde die Differenz zwischen dem höheren Preis für Solarenergie und dem durchschnittlichen Energiepreis, den das Unternehmen über die letzten zehn Jahre bezahlt hatte, über einen entsprechenden Umsatzsteuerkredit ausgeglichen.

Bereits bei der nationalen A-5-Auktion im Dezember 2013 durften zum ersten Mal auch Photovoltaik-Projekte mitbieten. Jedoch kamen diese aufgrund fehlender Wettbewerbsfähigkeit nicht zum Zug. Der durchschnittliche Preis der unter Vertrag genommenen Energie bei der Auktion lag bei R$ 109,93/MWh, bei der A-3 Aktion im November 2013 bei R$ 124,43/MWh.


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Finanzierung

 

Im Bereich Finanzierung will die nationale Entwicklungsbank BNDES durch zinsgünstige Kreditlinien der Solarbranche zu einem Erfolg ähnlich dem der Windbranche zu verhelfen. Um den Genuss der zinsgünstigen Finanzierung des BNDES kommen zu können, müssen allerdings 60% der Produktion aus heimischer Fertigung stammen (local content). Die Kreditlinien ist für drei Zwecke vorgesehen: 1. Installation von Fabrikanlagen zur Modulherstellung, 2. Photovoltaikanlagen mit einem Investitionsvolumen zwischen 50 Mio. und 1 Mrd. Reais (ca. EUR 20 bis 400 Mio.), sowie für Unternehmen, die in Brasilien für den Export bestimmte Produkte herstellen.

Quelle(n):

  • Interview mit Antonio Carlos de Andrada Tovar, Abteilungsleiter für alternative Energiequellen der nationalen Entwicklungsbank BNDES, Auszug des Interviews verfügbar bei Terra.
  • BNDES: Alternative Energien (Energias Alternativas), - Der BNDES erläutert auf dieser Seite die Kreditlinien für Projekte mit alternativen Energiequellen. Der Leser erhält Informationen über die Bedingungen von förderbaren Projekte, die Höhe der Zinsen und Gebühren, den Amortisationszeitraum und die gewünschten Garantien.
  • ICON Institut/DFIC (2012): Brasilien - Finanzierungsmöglichkeiten für Unternehmen aus dem Bereich industrielle Energieeffizienz. - Die durch die Exportinitiative Energieeffizienz des BMWi in Auftrag gegebene Studie informiert welche verschiedenen Fördermöglichkeiten bei der Finanzierung eines Projektes seitens deutscher Institutionen existieren, welche internationalen Fördermitteln als Finanzierungsquelle geeignet sind und welche ergänzenden bzw. begleitenden Förderungsprogramme in Brasilien existieren.


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Fördermöglichkeiten

 

Net-metering
Durch die Veröffentlichung  der Resolution 482 in dessen Rahmen ein Net-Metering reguliert wird, setzte die brasilianische Regulierungsbehörde ANEEL am 17. April 2012 einen Meilenstein auf dem Weg zur Einführung der Netzeinspeisung bis 1MW. Von sogenannten Mikro- und Ministromerzeugungsanlagen eingespeister Strom aus Erneuerbaren Energienquellen wird dank des Net-Metering-Verfahrens bis zur Höhe des eigenen Verbrauches gutgeschrieben. Photovoltaikanlagen sollten also dem Verbrauch entsprechend dimensioniert werden, da eine monetäre Vergütung überschüssigen Stroms nicht vorgesehen ist. Anlagen bis Die Verteilungsnetzbetreiber haben ihre Netzanschlussregelungen den neuen Anforderungen entsprechend angepasst. Dadurch entsteht Im Jahr 2013 somit erstmals ein nennenswerter Markt für Photovoltaikanlagen.

Weiterführende Literaturhinweise und Links:

 

25 MWp- Anreizprogramm im Rahmen des F&E-Programms der ANEEL
Im Gesetz 9.991 aus dem Jahr 2000 ist festgelegt, dass Verteilnetzbetreiber 0,2% und Übertragungsnetzbetreiber sowie Stromerzeugungsunternehmen je 0,4% ihres jährlichen Umsatzes in Forschungs- & Entwicklungs-Projekte im Rahmen des F&E-Programmes der Stromregulierungsbehörde ANEEL investieren müssen, wovon auch die Photovoltaikbranche profitieren kann.

Jährlich kommen im Rahmen des Programms bis zu R$ 300 Millionen zusammen (ca. EUR 130 Millionen, Wechselkurs R$/EUR 2,3/1). Die Gelder werden von den Konzessionären selbst verwaltet. Die Anwendung der Gelder wird von der Regulierungsbehörde kontrolliert. Werden Gelder nicht fristgerecht ausgegeben, werden sie mit dem brasilianischen Leitzins Taxa Selic verzinst. Die Konzessionäre können gemeinsam mit Partnern Projektvorschläge zur Prüfung und Evaluierung bei der ANEEL einreichen.

Die Stromregulierungsbehörde ANEEL rief 2011 durch den Call 013/2011 zur Entwicklung von F&E-Projekten im Bereich Photovoltaik auf, in dessen Rahmen PV-Projekte von 0,5 bis 3 MW realisiert werden sollen. Insgesamt wurden dabei 18 Projekte mit einer Kapazität von 25 MW genehmigt, die bis 2015 fertiggestellt werden sollen.Damit wurden Investitionen von mehr als 395 Mio. Reais in Photovoltaikprojekte ausgelöst.

Weiterführende Literaturhinweise und Links:

  • ANEEL: (2011): Aufruf 13/2011 – Strategisches Projekt: Technische und kommerzielle Arrangements für die Integration der Stromerzeugung auf Basis von Photovoltaik in die brasilianische Energiematrix (CHAMADA N°013/2011 “Arranjos Técnicos e Comerciais para Inserção da Geração Solar Fotovoltaica na Matriz Energética Brasileira“).
  • Freie Übersetzung durch die Deutsch-Brasilianische Industrie- und Handelskammer (AHK) Rio de Janeiro und die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH.
  • Hier ist die Liste der angemeldeten F&E-Projekte verfügbar.

 

Netznutzung
Gemäß Resolution 481 (vom 17. April 2012) der Regulierungsbehörde ANEEL erhalten Photovoltaik-Kraftwerke von 1 – 30 MW, die bis Ende 2017 ans Netz gehen, in den ersten zehn Jahren 80% Diskont auf die Netznutzungsgebühren TUSD und TUST und 50% in den folgenden Jahren. Kraftwerke, die ab 2018 ans Netz gehen, haben immer noch Anspruch auf 50% Ermäßigung.

 

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Solarthermie

Brasilien hat eine jährliche Sonneneinstrahlung auf horizontaler Fläche von ca. 1.500 bis 2.400 kWh/m². Zum Vergleich - in Deutschland beträgt dieser Wert 900 bis 1.220 kWh/m², in Spanien 1.200-1.850. Die Orte mit der niedrigsten Sonneneinstrahlung im Süden Brasiliens liegen somit mehr als 25% über den sonnenreichsten Deutschlands.


 Karte: Sonneneinstrahlung – Jahresdurchschnitt auf horizontaler Fläche

Quelle: Atlas brasileiro de energia solar / Enio Bueno Pereira; Fernando Ramos  Martins; Samuel Luna de Abreu e Ricardo Rüther. – São José dos Campos : INPE, 2006.

 

Branchenverband:

  • Brasilianischer Verband für Ventilation, Klimatisierung, Kühlung und Wärme (ABRAVA). Gruppe für Solarthermie (DASOL).


Weiterführende Literatur:

Potential

 

Foto: Typischer Elektrodurchlauferhitzer in Brasilien

Quelle: Philipp Hahn/AHK Rio de Janeiro

Warmwasser zum Duschen wird in Brasilien in 73,5% der Haushalte durch strombetriebene Durchlauferhitzer aufbereitet, was vor allem in den frühen Morgenstunden und am Abend einen großen Teil der Spitzenlast (Peakload) im Verlauf der Tageslastkurve ausmacht. Dies entspricht auf nationaler Ebene 18 % der Spitzenlast oder 6% des Gesamtstromverbrauchs. In brasilianischen Haushalten werden etwa 25% des Gesamtverbrauches an Strom durch den Durchlauferhitzer im Bad verursacht. Die Durchlauferhitzer sind mit einer Leistung von 4,4 bis 8,2 kW ab 10 Euro erhältlich.

Es besteht großer politischer Wille zur Förderung und Integration der Solarthermie, bspw. im sozialen Wohnungsbau um die Stromkosten einkommensschwacher Bevölkerungsgruppen zu senken und die Notwendigkeit der Expansion des Kraftwerkparks durch Reduzierung der Spitzenlast zu verringern.

 

Abb.: Tageslastkurve Privathaushalt

Quelle: eigene Darstellung nach Procel (2009)

 

In Brasilien gibt es ca. 1,5 Millionen private und öffentliche Swimmingpools wovon ca. 10% beheizt werden. Nur etwa die Hälfte davon nutzt Solarenergie hzur Warmwassererwärmung. Solarkollektoren für Swimmingpools sind leicht installiert und zeichnen sich durch kurze Pay-Back-Zeiten aus.

Desweiteren ergeben sich Potentiale im Bereich solarer Kühlung in Gebäuden (Supermärkte, Shopping Center, Hotels etc.), in der Lebensmittelproduktion sowie in industriellen Produktionsprozessen, die eine hohe Nachfrage an Hitze, Dampf und Druckluft haben, wie bspw. in den Sektoren der Textil, Keramik, Zement und Metallherstellung und -verarbeitung. Je nach verwendeter Technologie können solarthermische Systeme Temperaturen bis zu 400° C erreichen.

 

Weiterführende Literatur (Portugiesisch):


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Marktstruktur

 

Der Markt für solare Warmwassererhitzung wächst seit 2007 jährlich um ca. 20%. Laut dem Branchenverband DASOL/ABRAVA wurde 2011 die Rekordzahl von 1,029 Millionen m² an Sonnenkollektoren produziert und kam damit auf eine akkumulierte Fläche von 7,31 Mio. m². Laut der Internationalen Energy Agentur IEA gehört Brasilien damit zu den zehn größten Märkten weltweit. Außerdem wurden allein 2011 ca. 128.000 thermischer Wasserreservoirs hergestellt.

Der Marktumsatz lag 2011 bei mehr als 500 Mio. Reais. Von den produzierten Anlagen wurden 57% für häusliche Anwendungen verkauft, 23% für die Sektoren Industrie, Gewerbe und Dienstleistungen sowie 20% für soziale Wohnungsbauprogramme wie „Mein Haus, mein Leben (Minha Casa, Minha Vida)“ in dem Solarthermieanlagen für Einfamilienhäuser obligatorisch vorgesehen sind. Mit ca. 76% ist er größte Absatzmarkt der Südosten des Landes.

Derzeit sind ca. 100 bis 140 Produzenten von Kollektoren oder Systemen am Markt aktiv. Darüber hinaus gibt es ca. 2.500 autorisierte Distributoren, die zumeist regional tätig sind. Eine Umfrage des Branchenverbandes DASOL ergab, dass nur etwa 5% im Jahr 2011 einen Nachfragerückganz verzeichneten, während 95% Zuwächse bei Nachfrage und Produktion meldeten.

Seit Juni 2012 müssen alle Kollektoren, Rohre und thermischen Reservoirs von der nationalen Prüfungsinstitution INMETRO zertifiziert werden. Die Zertifizierung muss alle vier Jahre erneuert werden.

 

Abb.: Marktentwicklung Solarthermie

Quelle: eigene Darstellung nach Abrava (2012)

 

Weiterführende Literaturhinweise und Links:


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Finanzierung

 

Wie bei anderen Projekten Erneuerbarer Energien sind auch für große Solarthermische-Anlagen niedrigverzinste Kreditlinien der Entwicklungsbank BNDES verfügbar. Projekte ab einem Umfang von mindestens 10 Mio. Reais können in den Genuss einer Finanzierung von 80% bei Zinsen von ca. 5% kommen, sofern die lokale Wertschöpfung mindestens 60% beträgt.

Für kleine Anlagen gibt es im Rahmen der Finanzierung von Eigenheimen durch das soziale Wohnungsbauprogramm „Minha Casa, Minha Vida“ zinsgünstige Finanzierungsoptionen.

 

Weiterführende Literaturhinweise und Links:


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Fördermöglichkeiten

 

Energieeffizienz-Programm der ANEEL

In dem Gesetz 9.991 aus dem Jahr 2000 ist festgelegt, dass die Energieversorger 0,5% ihres jährlichen Nettoumsatzes in Energieeffizienz-Projekte im Rahmen des EE-Programms der ANEEL (PEE) investieren müssen, wovon auch die Solarthermie-Branche profitieren kann. Im Jahr 2011 wurden auf diese Weise insgesamt rund 385 Millionen Reais bzw. 167 Millionen Euro (Wechselkurs R$/EUR 2,3/1) investiert. Von diesen Mitteln müssen jedoch 60% direkt sozial benachteiligten Bevölkerungsgruppen zu Gute kommen, was vorwiegend zu Aktionen auf der Mikroebene führt, wie bspw. dem Austausch von alten Kühlschränken in Elendsvierteln durch effizientere Geräte.

Die Gelder werden von den Verteilnetzbetreibern (Konzessionären) selbst verwaltet. Die Anwendung der Gelder wird von der Regulierungsbehörde kontrolliert. Werden Gelder nicht fristgerecht ausgegeben, werden sie mit dem brasilianischen Leitzins Taxa Selic verzinst. Die Konzessionäre können gemeinsam mit Partnern Projektvorschläge zur Prüfung und Evaluierung bei der ANEEL einreichen.

Unter diesem Link lässt sich ein portugiesisch-sprachiger Leitfaden zur Einreichung von Projektvorschlägen für das Energieeffizienzprogramm aufrufen.

 

Weitere Fördermöglichkeiten:

Der Aktionsplan des Energieministeriums (MME) sieht bis 2015 folgende Ziele vor:

  • Eingesparte Energie: 2.200 GWh/Jahr
  • Spitzenlast-Reduzierung: 10.500 MW
  • 15 Millionen m² akkumulierte Kollektoren-Fläche
  • Jährlicher Zuwachs von 27% an Kollektorenfläche
  • 2.200 GW installierte Kapazität
  • Installierte Kapazität pro 100.000 Einwohner: 5 MW
  • 3,7 Millionen Gebäude ausgestattet

 

Um die gesteckten Ziele zu erreichen ist die Integration von solaren Warmwasser-Aufbereitungsanlagen im sozialen Wohnungsbauproprogramm obligatorisch. Hier wurden bereits 300.000 Anlagen bewilligt wurden.

 

Foto: Sozialer Wohnungsbau mit solarer Warmwasseraufbereitung im Stadtteil Mangueira in Rio de Janeiro

Quelle: Renan Cepeda/GIZ

 

Solarthermische Anlagen sind von der Industriegüter-Steuer IPI (15%) befreit und genießen außerdem landesweit eine Befreiung von der Umsatzsteuer ICMS (17-18%).
Ab 2014 wird der neue „Weiße Tarif“ (tarifa branca) einen zusätzlichen Anreiz zur Reduktion des Stromverbrauches in den Peak-Zeiten von 18 bis 21 Uhr geben.

 

Weiterführende Literaturhinweise und Links (Portugiesisch):


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CSP

Bei solarthermischen Kraftwerken werden die Sonnenstrahlen fokussiert. Ideal ist daher eine hohe direkte, jährliche Sonneneinstrahlung von über 2.000 kWh/m² und ein geringer Bewölkungsgrad. Diffuse Sonneneinstrahlung, d.h. z.B. durch Wolken, Wasser und Staubteilchen gestreutes Sonnenlicht leistet dagegen keinen Beitrag zur Wärmegewinnung. Nahezu 25% der Landfläche Brasiliens (ca. 2,3 Mio. km2) weisen eine direkte jährliche Sonneneinstrahlung von über 2.000 KWh/m2 auf. Hier ist die direkte Sonneneinstrahlung um 20% höher als die der diffusen Sonneneinstrahlung. In diesen Gebieten ist CSP wettbewerbsfähig gegenüber Phtotovoltaikanlagen. Heliothermische Kraftwerke benötigen außer hoher direkter Sonneneinstrahlung und geringer Bewölkung auch Wasservorkommen zur Reinigung der Anlage.

Bisher gibt es in Brasilien noch keine CSP-Kraftwerke. Eine erste 1MW-Anlage zu Forschungszwecken wurde in Petrolina im Bundesstaat Pernambuco angekündigt. In heliothermischen Kraftwerken wird der Dampf zum Antrieb der Turbinen durch konzentrierte Sonneneinstrahlung erzeugt. Spiegel oder Linsen bündeln die Sonnenstrahlen auf einen Punkt, wo das Wasser verdampft wird. Die drei gängigsten Technologien sind Solarturm-, Fresnel-Kollektor und Parabolrinnen bzw. Parabolschüsselkraftwerke.

 

Karte: Sonneneinstrahlung – Jahresdurchschnitt auf horizontaler Fläche

Quelle: Atlas brasileiro de energia solar / Enio Bueno Pereira; Fernando Ramos  Martins; Samuel Luna de Abreu e Ricardo Rüther. – São José dos Campos : INPE, 2006.

 

Weiterführende Literatur:

INPE (2006): Atlas brasileiro de energia solar.

ANEEL (2005): Atlas de Energia Elétrica - 2ª Edição. Kapitel 3: Energia Solar.

Potential

 

Das größte Potential für große Solarkraftwerke liegt im semi-ariden Nordosten, entlang des Flusses São Francisco, dank der hohen Sonneneinstrahlung, der Nähe zum Äquator (niedriges Airmass), ausreichendem Raumangebot, Verfügbarkeit von Wasser zur Reinigung, geringer Niederschlags- und Bewölkungsrate.


Foto: Coletor Fresnel
Fonte: Industrial Solar

Weiterführende Literaturhinweise und Links:
EPE (2012): Analyse zur Einführung der Solarenergie in die brasilianische Strommatrix. (Análise da Inserção da Geração Solar na Matriz Elétrica Brasileira) - In dem Papier zur Einführung der Solarenergie in die brasilianische Strommatrix präsentiert die Energieplanungsbehörde EPE grundlegende technische Informationen und Rahmenbedingungen zur Entwicklung der Fotovoltaik- und CSP-Technologien in Brasilien und skizziert die weltweit verfügbaren Technologien in diesen Bereichen.


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Ansprechpartner

Philipp Hahn

(+55 21) 2224-2123 Durchwahl 117

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