Energieeffizienz in der Industrie

Der Nationale Plan für Energieeffizienz (Plano Nacional de Eficiência Energética) aus dem Jahr 2011 dokumentiert bisherige Energieeffizienzmaßnahmen und nennt zukünftige Handlungsfelder. So sollen in den nächsten 20 Jahren insgesamt 106,6 GWh eingespart werden. Dieses Ziel soll u.a. durch Maßnahmen in den Bereichen Industrie, Gebäude, öffentliche Gebäude, öffentliche Beleuchtung und Wassermanagement erreicht werden.

Im Zehnjahresplan der Energieplanungsbehörde EPE wird die Energieeffizienz seit kurzem als fester Planungsbestandteil berücksichtigt und konkrete Ziele für die Sektoren Gewerbe, Wohnen, Industrie und Verkehr formuliert. So werden bis zum Jahr 2016 Effizienzsteigerungen beim Stromverbrauch in Höhe von 2,8% und bis 2020 von 5,9% erwartet. Ein großer Teil davon (ca. 38%) soll in der Industrie eingespart werden.

Bei fast 80% der brasilianischen Unternehmen machen die Ausgaben für Strom zwischen 0-10% der Gesamtkosten aus.


Abb.: Anteil der Stromkosten an den Gesamtausgaben, Industrie

Quelle: eigene Darstellung nach Daten von Procel (2009)


Weiterführende Literatur (Portugiesisch):

Sektoren

 

Die Industriesektoren mit den höchsten Verbräuchen und damit gemeinhin den größten Einsparpotentialen sind die Sektoren Zement, Papier- und Zellulose, Lebensmittel und Getränke, Textil, Chemie und das metallverarbeitende bzw. produzierende Gewerbe. Elektromotoren sind für 60% des gesamten Stromverbrauchs der Industrie verantwortlich. Sie werden vor allem zur Drucklufterzeugung, zum Pumpen, zur Ventilation und für Bewegungs- und Behandlungsprozesse verwendet.
Eine Studie von PROCEL und dem Industrieverband CNI aus dem Jahr 2009 zeigte, dass in der brasilianischen Industrie Energieeinsparpotentiale von 25,7% durch technische Modernisierungsmaßnahmen bestehen. Davon fallen allein 82% auf Brennstoffe, vor allem für Öfen und Dampferzeuger. Bei elektrischer Energie ergeben sich die größten Einsparpotentiale bei Antriebssystemen (14%). Durch die Erschließung von Einsparpotentialen beim Stromverbrauch ließen sich jährlich Kosten in Höhe von R$ 6,8 Milliarden bzw. EUR 2,52 Milliarden verhindern bei einem Wechselkurs von R$/EUR 2,7/1 und R$ 216,61/MWh).

Weiterführende Literatur (Portugiesisch):

  1. Energieeffizienz im internationalen Vergleich
  2. Förderprogramme
  3. Institutionen
  4. Fallstudien
  5. Innovative Technologien
  6. Energieeffizienz und CDM
    Sektor-Analysen


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PROCEL Indústria

 

Das Unterprogramm „PROCEL Industria“ bietet den verschiedenen Industriesektoren fachliche Unterstützung bei der energetischen Effizienz ihrer Einrichtungen. Die Aktivitäten sind auf Antriebssysteme (Antriebe, Elektromotoren, Kupplungen, Lastbewegung und mechanische Ströme) fokussiert, da diese Anwendungen für 60% des Verbrauches der Industrie sowie für 28% des landesweiten Stromverbrauchs verantwortlich sind und gleichzeitig die größten Potentiale für technische Energieverluste darstellen.

Das Programm arbeitet vor allem mit Universitäten sowie Industrie- und Branchenverbänden (CNI, SEBRAE etc.) zusammen, um den bestmöglichen Zugang zu Unternehmen zu erhalten.

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Fördermöglichkeiten

 

PEE

Gemäß Gesetz 9.991 vom 24. Juli 2000 müssen die Konzessionäre der Verteilungsnetze einen Anteil von 0,5% ihres Umsatzes im Rahmen des Energieeffizienzprogramms der Stromregulierungsbehörde ANEEL (PEE) investieren. Das entsprach im Jahr 2011 insgesamt R$ 385 Millionen bzw. EUR 167 Millionen (Wechselkurs R$/EUR 2,3/1). Ziel ist die Sensibilisierung der Bevölkerung für Themen der Energieeffizienz von Produkten, Dienstleistungen und Prozessen. Von den Mitteln müssen jedoch 60% sozial benachteiligten Bevölkerungsgruppen zu Gute kommen, was aktuell vorwiegend zu Maßnahmen auf der Mikroebene führt, wie bspw. dem Austausch von alten Kühlschränken in Elendsvierteln.

Die Gelder werden von den Verteilnetzbetreibern (Konzessionären) selbst verwaltet. Die Anwendung der Gelder wird von der Regulierungsbehörde kontrolliert. Werden Gelder nicht fristgerecht ausgegeben, werden sie mit dem brasilianischen Leitzins Taxa Selic verzinst. Die Konzessionäre können gemeinsam mit Partnern Projektvorschläge zur Prüfung und Evaluierung bei der ANEEL einreichen.

Unter diesem Link lässt sich ein portugiesisch-sprachiger Guide zur Einreichung von Projektvorschlägen für das Energieeffizienzprogramm aufrufen.

 

PROESCO

1985 wurde das Programm für „Energy Service Companies“ (ESCOs) durch die BNDES und das brasilianische Energieministerium (MME) ins Leben gerufen. Innerhalb von PROESCO werden durch Bürgschaften der BNDES die Projektrisiken für ESCOs reduziert und auf diesem Wege die Wahrscheinlichkeit der Kreditzusage erhöht. Durch die Garantieleistungen der BNDES kann das Kreditvergabeverfahren bei der Partnerbank zudem schneller abgewickelt werden. Der Förder-schwerpunkt liegt auf Maßnahmen zur Energieeinsparung (Prozessoptimierung, Energiemanage-ment, Beleuchtung, Motoren) und wird - bislang unbefristet - durch die Bereitstellung der BNDES- Kreditlinie von PROESCO finanziert.

 

BNDES - Innovative KMU

Im Rahmen der Energieeffienz-Kreditlinie des KMU-Förderpgrammes der Entwicklungsbank BNDES gibt es für ESCOs die Möglichkeit zu günstigen Finanzierung mit attaktiven ZInssätzen von 4% a.a., zehn Jahren Amortisations- und drei bis 48 Monaten Karenzzeit. Bedingung ist, dass die ESCO bereits für den “Cartão BNDES” angemeldet ist, welcher seit 2013 die Finanzierung von Verbrauchsdiagnosen ermöglicht.

Weitere Infos: Programme BNDES


Weiterführende Literatur:

 

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Ansprechpartner

Philipp Hahn

(+55 21) 2224-2123 Durchwahl 117

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