Biogas

Biogas wird zur Stromgewinnung in kommerzieller Größe bisher in einigen Pilotprojekten, vor allem auf Mülldeponien, verwendet. Gemäß der Stromregulierungsbehörde ANEEL stammen derzeit nur ca. 0,06% des produzierten Stroms aus Biogas. Die 19 Kraftwerke haben eine installierte Kapazität von 79 MW.

Die momentan größte brasilianische Biogasverstromungsanlage befindet sich in Salvador da Bahia, mit dem Namen „Termoverde Salvador“ und einer installierten Kapazität von 20 MW. Die Investitionen für die im März 2011 ans Netz gegangene Anlage beliefen sich auf ca. EUR 20 Millionen.

Seit Mai 2014 wird in Santa Catarina die Biogasanlage Itajaí Biogás (1 MW), kommerziell mit Siedlungsabfällen der Canhanduba-Deponie in Itajaí betrieben. Die Deponie der Gemeinde nimmt täglich rund 300t Abfälle auf und soll noch bis 2032 in Betrieb bleiben. Verantwortlich für den Betrieb der Anlage, welche von der Firma Dresser-Rand Guascor Brasil entwickelt und von dem Unternehmen Ruthmann installiert wurde, ist das gleichnamige Unternehmen Itajaí Biogás. 

Quellen und weiterführende Literatur:

  • ANEEL: Strommatrix - Die Stromregulierungsbehörde ANEEL informiert in ihrer Onlinedatenbank stets tagesaktuell über die Zusammensetzung des registrierten Kraftwerksparks Brasiliens. Die Anzahl der Kraftwerke und ihre jeweiligen Kapazitäten lassen sich dort schnell und übersichtlich ablesen.

Potential

 

Große Potentiale im Bereich Biogas ergeben sich durch die Gesetzgebung zur Behandlung von Abfällen aus dem Jahr 2010. Der Nationale Plan für Abfallmanagement (Plano Nacional de Resíduos Sólidos/PNRS) sieht vor, dass die Kommunen bis 2014 alle offenen Müllhalden schließen müssen, und alle Abfälle behandeln, verwerten oder auf adäquaten Deponien lagern müssen. Energetisch und wirtschaftlich verwertbare Reststoffe müssen entsprechend genutzt werden.

Weniger als die Hälfte aller Kommunen verfügen jedoch nicht über entsprechende Anlagen, woraus sich ein riesiges Potential für neue Projekte mit Biogasgewinnung ergeben. Wo bereits Biogas gewonnen wird, wird es zumeist noch nicht verstromt, sondern abgefackelt.

Das Geschätzte Biogas-Potenzial aus Abwässern & organischen Abfällen beträgt ca. 50 Millionen m³ Methan/Tag, oder etwa 3.400 MW unerschlossener Kapazität.


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Finanzierung

 

Wie bei anderen Erneuerbare Energie-Projekten sind auch für Biogas-Anlagen niedrigverzinste Kreditlinien für Alternative Energien der Entwicklungsbank BNDES verfügbar. Projekte ab einem Umfang von mindestens 10 Mio. Reais können in den Genuss einer Finanzierung von 80% bei Zinsen von ca. 5% kommen, sofern die lokale Wertschöpfung mindestens 60% beträgt.

Auch die staatliche Sparkasse „Caixa Econômica Federal“ (CEF) bietet im Rahmen des Programms "Abfall- und Abwasserbehandlung für alle“ (Saneamento para Todos“) Konzessionären im Bereich Abfall- und Abwasserbehandlung Kreditlinien für die Installation von Equipment zur Biogasgewinnung und –nutzung mit Zinsen unter 9% an. Finanziert werden können bis zu 95% der Projektkosten.

 

Quellen und weiterführende Literatur:

  • ICON Institut/DFIC (2012): Brasilien - Finanzierungsmöglichkeiten für Unternehmen aus dem Bereich industrielle Energieeffizienz - Die durch die Exportinitiative Energieeffizienz des BMWi in Auftrag gegebene Studie informiert welche verschiedenen Fördermöglichkeiten bei der Finanzierung eines Projektes seitens deutscher Institutionen existieren, welche internationalen Fördermitteln als Finanzierungsquelle geeignet sind und welche ergänzenden bzw. begleitenden Förderungsprogramme in Brasilien existieren.


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Fördermöglichkeiten

 

F&E

Im Gesetz 9.991 aus dem Jahr 2000 ist festgelegt, dass Verteilnetzbetreiber 0,2% und Übertragungsnetzbetreiber sowie Stromerzeugungsunternehmen je 0,4% ihres jährlichen Umsatzes in Forschungs- & Entwicklungs-Projekte im Rahmen des F&E-Programmes der Stromregulierungsbehörde ANEEL investieren müssen, wovon auch Biogas-Pilotprojekte profitieren können.

Jährlich kommen im Rahmen des Programms bis zu R$ 300 Millionen zusammen (ca. EUR 130 Millionen, Wechselkurs R$/EUR 2,3/1). Die Gelder werden von den Konzessionären selbst verwaltet. Die Anwendung der Gelder wird von der Regulierungsbehörde kontrolliert. Werden Gelder nicht fristgerecht ausgegeben, werden sie mit dem brasilianischen Leitzins Taxa Selic verzinst. Die Konzessionäre können gemeinsam mit Partnern Projektvorschläge zur Prüfung und Evaluierung bei der ANEEL einreichen.

Die Stromregulierungsbehörde ANEEL rief 2011 durch den Call 014/2012 zur Entwicklung von F&E-Projekten im Bereich Biogas auf.

 

Quellen und weiterführende Literatur:

  • ANEEL: (2011): Aufruf 14/2012 – Strategisches Projekt: Technische und kommerzielle Arrangements für die Integration der Stromerzeugung auf Basis von Biogas aus Abfällen und Abwässern in die brasilianische Energiematrix (CHAMADA N°014/2012 “Arranjos Técnicos e Comerciais para Inserção da Geração de Energia Elétrica a partir do Biogás oriundo de Resíduos e Efluentes Líquidos na Matriz Energética Brasileira”).
    Freie Übersetzung durch die Deutsch-Brasilianische Industrie- und Handelskammer (AHK) Rio de Janeiro und die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH.

 

Netznutzung
Biogas-Kraftwerke, die Biogas aus Kläranlagen oder Abfalldeponien werden durch eine 100%ige Befreiung von den Distributions- und Transmissionsgebühren TUSD und TUST gefördert.

 

Quellen und weiterführende Literatur:

 

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Ansprechpartner

Philipp Hahn

(+55 21) 2224-2123 Durchwahl 117

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